Uralt: PS/2 Keyboard-Splitter-Kabel

Motivation:

In alten Zeiten mit PS/2-Tastatur habe ich mich immer wieder darüber geärgert, daß ich die PS/2-Keyboardkabel umstecken muß, wenn ich zwischen englischer Tastatur und deutscher Tastatur im laufenden Betrieb wechseln will.

Die deutsche Tastatur und englische Tastatur hatte ich abwechselnd am Laptop, Fileserver und Barebone genutzt, alle Rechner hingen an meinem (analogen) iView 4-port KVM-Switch, der aber nur jeweils einen PS/2-Anschluß für Maus und Keyboard hat.

USB-Keyboards anzuschaffen kam nicht in Frage, zudem ist mein KVM-Switch nicht für USB ausgelegt und einen neuen KVM-Switch wollte ich mir dafür nicht extra kaufen.

Realisierung:

Zuerst habe ich es mit einen (der so zahlreich auf Ebay angebotenen) PS/2 Keyboard/Mouse-Splitter versucht, um 2 Keyboards an einem PS/2-Anschluß zu betreiben, aber das bescherte nicht den gewüschten Erfolg. Wie sich bei näherer Betrachtung der Verkabelung an dem 6-poligen Mini-DIN-Stecker herausstelle, sind die Clock- und Data-Signale des Maus-Steckers an die NC-Pins (not connected) vom Host-Stecker (zum Rechner hin) angeschlossen.

Also habe ich ein wenig im Internet gesucht, und zuerst diese Seite gefunden, die nahelegte, die gleichen Signale von Keyboard 1 und Keyboard 2 auf dem Host-Stecker zusammenzulegen. Also habe ich fix einen Stecker (2x 6-pin Mini-DIN Female-Buchsen und 1x 6-pin Mini-DIN Male-Stecker) fertiggelötet. Aber leider brachte auch das nicht viel - die Eingabe von beiden Tastaturen spielte nach kurzer Zeit verrückt.

Nach kurzem Studium des Tastatur-Protokolls wurde mir auch klar, daß das so gar nicht funktionieren konnte, weil sich die Signale von beiden Keyboards überlagert haben.

Dann habe ich nochmal weitergesucht, und schließlich die Lösung gefunden, der auch ein Schaltplan (entworfen von Stephan Hans) beilag:

kbd-splitter-sheet.gif
Am Wochenende bin ich gleich zu Conrad-Elektronik, um mir die Bauteile zu kaufen. Statt der alten 5-poligen DIN-Stecker habe ich allerdings die 6-poligen Mini-DIN PS/2-Stecker verwendet.

Die Schaltung habe ich auf einer winzigen Lochrasterplatine (25mm x 15mm) zusammengelötet mit Freiverdrahtung auf der Rückseite. Das Ergebis ist hier zu sehen:

Kbd-Splitter2.jpg

An die 2 Mini-DIN-Buchsen (female) werden die beiden Tastaturen angeschlossen. Die Verkabelung daran habe ich mit Schrumpfschlauch versteckt. Die Platine nochmal vergrößert dargestellt:

Kbd-Splitter1.jpg

Die fehlende Diode ist auf der Rückseite verbaut. Einen Eindruck von der "Freiverdrahtung" ist auf dem folgenden Bild zu sehen. Das habe ich nur mit Hilfe der "3. Hand" (siehe Lötstation) hingekriegt:

Kbd-Splitter4.jpg

Damit die feine Verdrahtung nicht gleich wieder abreißt , oder sich Kabel durch Verdrehen lösen, habe ich die ganze Rückseite der Platine nach einem erfolgreichem Test mit einer Heißklebepistole versiegelt. Das Ergebnis kann man hier sehen:

Kbd-Splitter5.jpg

Hier nochmal das Ganze von der Seite:

Kbd-Splitter6.jpg

Zum Schluß wurde noch die Elektronik mit der Platine in einem kleinen Plastik-Gehäuse versteckt. Das stammte von einem Ferrit-Entstörring (auf einem Monitorkabel):

Kbd-Splitter7.jpg

Ich möchte aber auch nicht verschweigen, daß ich nach dem ersten Testbetrieb erst einmal ganz schön geschwitzt habe, weil eine Tastatur an dem Keyboard-Splitter nicht funktionierte. Nach kurzem Überprüfen der Verdrahtung fand sich dann der Fehler bei einem Draht am falschen Pin vom CMOS IC. Das war schnell korrigiert, und dann funktionierte es einwandfrei! Die Fehlersuche kann aber auch Nerven kosten, z.B. wenn man die ganze Verdrahtung wieder auseinander nehmen muß wegen einem am Hitzetod gestorbenen Bauteil (und das muß man erstmal rausfinden), oder einer kalten Lötstelle, etc.

Wer sich übrigens die ganze Arbeit sparen will, für den gibt es einen Adapter auch zu kaufen unter dem Namen Y-key key Dual Keyboard Adapter bei Y-Mouse. Der kostet dann allerdings knapp 50 Dollar.

Macht doch aber viel mehr Spaß, sowas selber zusammengebaut zu haben. Man lernt ja auch einiges dabei: über PS/2-Stecker, Keyboard-Protocol, etwas Löterfahrung, etc. und die Freude, wenn es dann auch funktioniert!


Next: Und hier ist das nächste (kleine) Projekt - eine "Remote-Control" für die Steckdosenleiste.

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